Der Trend zum Mieten statt Kaufen
Entschuldigung, dürfte ich mir kurz Ihren Stift leihen?
Vielleicht haben Sie gerade gedacht: „So ein Schmarotzer! Warum kauft der sich keinen eigenen Stift? Die gibt es an jeder Ecke!“ Dann ist dieser Text vermutlich nichts für Sie. Trotzdem werfen Sie eine gute Frage auf. Warum least man ein Auto, statt einen Neuwagen zu kaufen? Warum mietet man eine Wohnung, statt ein Haus zu bauen? Und warum besucht man eine Seite mit Antiquitäten zum Mieten, statt bei Ebay shoppen zu gehen?
Die Antwort hilft Ihnen bei fast allen wirtschaftlichen Fragen: das Verhältnis von Kosten und Nutzen.
Wiegt der Nutzen eines Kaufs die Kosten auf, oder fahre ich mit einem Leihangebot günstiger? Wie sieht das in einer Krise aus? Welche Möglichkeiten bietet die Branche, und auf welche Karte sollte ich im Zweifel setzen? Diesen Fragen gehen wir im Folgenden nach.
Struktur und Entwicklung der Vermietungsbranche
Verschaffen wir uns zuerst einen Überblick über das Geschäftsfeld, denn die Vermietung hat viele Facetten. Zuerst kommen einem die Autovermietung und das LKW-Leasing in den Sinn, dicht gefolgt von Wohnmobilen und Anhängern. Den DVD- und Videoverleih vergisst man angesichts von Netflix, Youtube und anderen Streamingangeboten leicht. Diesen Markt haben die Streamingdienste geschluckt. Daneben gibt es kleine Nischen, kreative Start-ups und ungewöhnliche Geschäftsideen in großer Zahl: Antiquitäten, Mobiliar für Firmen und Events, Geschirr und Gebrauchsgegenstände vom Alltagsstück bis zum Unikat, Fahrräder und Werkzeuge, Baumaschinen, Kleider, Anzüge und vieles mehr.
Viele dieser Angebote sind in den letzten Jahren entstanden. Sie folgen modernen Prinzipien wie Umweltbewusstsein und Ressourcenschonung oder Freiheit und Flexibilität. Entsprechend klein ist ihr Marktanteil bisher.
Den größten Teil der Branche macht die Vermietung von Kraftfahrzeugen aus. Der Bereich Wohnmobile stagniert dagegen.
Wie passt all das zusammen, etwa mit den Fahrradbergen in China, dem Niedergang der Videotheken und dem Aufschwung von Autoleasing und Carsharing?
Fahrzeugvermietung und Leasing: vom Motorrad bis zum LKW
Die Vermietung von Kraftfahrzeugen ist das solideste Feld der Branche. Sie wächst seit Jahren. Was bewegt Kunden dazu, ein Auto zu mieten, statt es zu kaufen?
Autos, Motorräder, LKW und Baufahrzeuge halten lange, kosten in der Anschaffung viel und haben gut planbare Wartungszyklen und Abschreibungsfristen. Diese Punkte sprechen für einen Kauf. Dagegen stehen Schwankungen am Markt, die die Gewinnerwartung beeinflussen, technische Neuerungen und Gesetzesänderungen.
Viele Akteure im Fahrzeugmarkt haben den Dieselskandal und seine Folgen mit Sorge verfolgt. Industrie und Gesetzgeber erklärten eine ganze Technologie gefühlt über Nacht für überholt. Diese Krise hatte Folgen.
Gerade in Krisen zeigt die Vermietungsbranche Durchhaltevermögen. Oft wächst sie in der Krise sogar. Der Grund ist ihre Flexibilität, besonders im Fahrzeugmarkt. Die genannten Punkte sprechen für langfristige Planung und gutes Wirtschaften über viele gute Jahre. Werden die Zeiten unsicher, überzeugt die Miete.
Ihr Kunde fährt das neueste Modell mit aktueller Technik und zahlt dafür einen Bruchteil der Anschaffungskosten. Wartungspläne und Wartungskosten spart er sich oft ebenfalls, denn die trägt der Vermieter. Bleiben die Aufträge aus und braucht der Kunde das Auto oder den LKW nicht mehr, läuft der Vertrag aus und das Fahrzeug geht zurück an den Vermieter.
Kaufen passt zum langfristigen Strategen: hohe Investitionen, wenig Flexibilität, feste Strukturen. Mieten passt zum wendigen Geschäftsmann, der Kosten niedrig hält und auch bei plötzlichen Auftragsspitzen rechtzeitig liefern kann.
Der Boom der Vermietungsbranche ist hier die logische Antwort des Marktes auf technische Umbrüche, wachsende Ansprüche der Gesellschaft und den Wunsch, Kosten und Gewinne besser zu steuern.
Videotheken: Wie die Digitalisierung einen Markt verschlang
Nirgends hat der Wandel so hart zugeschlagen. Früher hatte jede Einkaufspassage mindestens eine Videothek, heute sind sie fast vollständig aus dem Stadtbild verschwunden.
In ihrer Blütezeit machten Videotheken gute Umsätze. Sie boten ein großes Sortiment, frühen Zugang zu neuen Filmen und Games und das zu erschwinglichen Preisen. Mit Streaming und Web-Angeboten aus der Cloud verloren sie diesen Vorteil schnell. Kein Laden kann mit dem Speicher der Cloud oder der ständigen Verfügbarkeit des Streamings mithalten. Auch den Preiskampf haben die Videotheken offenbar verloren.
Den gleichen Wandel erleben andere Bereiche. Jedes digitalisierbare Produkt kann dieses Schicksal treffen. Im Buchmarkt zeigen sich die ersten Folgen, weil sich das E-Book und seine Lesegeräte immer weiter verbreiten.
Das Bedürfnis zu leihen ist damit nicht ausgestorben, im Gegenteil. Das Streamingangebot von Amazon ist am Ende eine große, digitale Videothek. Kunden können Filme und Serien zwar kaufen und in der Cloud ablegen, der Verleih macht aber weiterhin einen großen Teil des Umsatzes aus. Die genauen Zahlen kennt nur Amazon, und Amazon schweigt.
Löst Streaming also alle Probleme? Leider nein. Hakt das WLAN, sehen Sie nur noch Pixelsalat und hören verzerrte Stimmen. In solchen Momenten wünscht man sich eine Blu-ray im Laufwerk. Und was passiert, wenn der Cloudbetreiber gegen alle Erwartungen sein Geschäft schließt, den Server abschaltet und geht?
Solche Szenarien sichern der physischen Welt ein letztes Bollwerk im digitalisierten Markt. Sie bleiben das stärkste Argument für den Kauf und gegen das Leihen. Die Videotheken haben sie nicht gerettet.
Das Geschäft mit digitalen Waren ist ein Haifischbecken für die Global Player und lässt einfallsreichen Nischenanbietern kaum Platz. Die Videotheken sind an einem versäumten Wandel gescheitert. Halten Sie deshalb mit Zeit und Technik Schritt, damit Sie nicht abgelöst werden.
Eine Blumenwiese an Ideen: Verleih-Start-ups und Nischenunternehmen
Die großen Fahrzeugvermieter haben gesiegt, die Videotheken sind untergegangen. Zur Vermietungsbranche gehört aber mehr. Denken Sie an den Kostümverleih: Halloween wird auch hierzulande beliebter, vom traditionellen Fasching abgesehen. Oder an die Vermietung von Möbeln und Eventartikeln, die Partys und Events im ganzen Land rettet. Wer hat schon spontan 20 Bänke und Tische im Keller? Besonders erlesen wird es bei Antiquitäten wie Vasen, Kommoden und Geschirr. Als Faustregel gilt: Was es gibt, kann man auch verleihen.
Die Vermietungsbranche hat zahllose kleine und mittlere Unternehmen hervorgebracht, die teils erstaunliche Nischen besetzen. Ein Besteck aus dem Barock für ein ausgefallenes Abendessen würde im Kauf ein Vermögen kosten. Geliehen kostet es einige hundert Euro plus Versicherung. Der Kostenvorteil liegt auf der Hand. Der kreative Unternehmer muss seinem Kunden nur noch den Nutzen zeigen.
Hier gehört auch die Geschichte der Mietfahrräder in China hin. Die Idee klang simpel: Fahrräder per Handy-App vermieten. Dort ist sie völlig aus dem Ruder gelaufen. Zurück blieben insolvente Konkurrenten, meterhohe Fahrradberge und unzufriedene Kunden. So innovativ eine Idee auch ist: Wer übereilt handelt und die absehbaren Probleme nicht bedenkt, landet in einer Sackgasse.
Bringen Sie Kreativität und Mut mit, können Sie Ihr Vermietgeschäft in einer der tieferen Nischen verankern. Dort ist die Konkurrenz gering, und Ihr Geschäft kann bald Früchte tragen. Für den Start brauchen Sie dann noch einen soliden Partner für die Verwaltung.
Fazit: Man muss nur wissen, wo man es leihen kann
Das geflügelte Wort „Ich muss nicht alles kaufen, nur wissen, wo ich es mir ausleihen kann!“ ist viele Generationen alt und stimmt bis heute. Oder ging der Spruch anders? Das liegt wohl am Beruf: Bei Rentsoft dreht sich alles um das Verleihen.
Leihen bringt Ihren Kunden gegenüber dem Kauf viele Vorteile. Sie passen sich flexibel an ihre Auftragslage an und wirtschaften damit effektiv, wie das Beispiel der Fahrzeugvermietung zeigt. Sie arbeiten mit aktueller Technik und folgen neuen Trends. Aufwendige Wartung und Instandhaltung entfallen, sodass sie sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Und sie nutzen Waren, die im Kauf unerschwinglich wären.
Für Sie als Vermieter bringt das Aufgaben mit sich: Sie bauen eine solide Instandhaltung auf, organisieren Lagerung und termingerechten Transport und beobachten Markt und Trends in Ihrer Nische. Bei der Verwaltung hilft Ihnen Rentsoft mit Buchungskalender und Verfügbarkeitsprüfung.
